Fußballspieler im Casino

Max Kruse
Foto: Superbass / Wikipedia (CC-BY-SA-4.0)

Max Kruse ist auch jenseits des grünen Rasens ein Star. Der 30 Jahre alte Mittelstürmer, der seit 2016 bei Werder Bremen unter Vertrag steht, macht mit seinen Pokerkünsten inzwischen genauso von sich reden wie mit seinem Balltalent. In der Hinrunde der neuen Bundesligasaison hat er in 18 Begegnungen vier Tore geschossen und für vier weitere Treffer die Vorlage geliefert. Doch zwischen den Spielen und in den Trainingspausen nimmt Krause seit mehreren Jahren immer öfter an Turnieren einer ganz anderen Art teil. Texas Hold’em und Omaha sind die Pokervarianten, in denen er es mittlerweile zu beachtlichem Erfolg gebracht hat. Sogar bei der World Series of Poker in Las Vegas, die als Weltmeisterschaft der Zocker gilt, hat sich Kruse profiliert. Seit 2014 hat er mehr als 124.000 US-Dollar an Preisgeld eingenommen und sogar schon das Finale in der World Series of Poker in Las Vegas erreicht, die als Weltmeisterschaft der Zocker gilt.

2017 traf er dort sogar auf einen deutschen Fußball-Kollegen: Der Ex-Profi und Trainer Mario Basler hatte seinen ersten Einsatz beim Main Event der Poker-Weltmeisterschaft und ging mit respektablen 17.243 Dollar an Preisgeld aus den Duellen der Kartenkünstler hervor.

Der wohl bekannteste zockende Kicker derzeit ist allerdings Neymar Jr. Der gebürtige Brasilianer, der 2017 für eine Rekordablösesumme von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain gewechselt war, berichtet auch auf Instagram-Posts gern von seinem Erfolg mit den Karten. Dabei ist er in erster Linie im Online-Casino aktiv, um sich unter anderem in Trainingspausen bei ein paar schnellen Händen Poker zu entspannen.

Das Spiel, bei dem vor allem Köpfchen gefragt ist, gehört bei Profifußballern zu den beliebtesten Zeitvertreiben. Neymar ist bei weitem keine Ausnahme, was den Besuch im Online Casino angeht, und so mancher Kicker bereitet sich im virtuellen Spiel auf den Einsatz in einer landbasierten Einrichtung vor. Wie beim Fußball ist auch beim Poker das richtige Training auf Dauer erfolgsentscheidend, und online lassen sich sowohl die Etikette und die Spielregeln studieren wie eigene Schwächen und Stärken identifizieren.

Um das Geld wird es Neymar dabei kaum gehen – der noch nicht einmal 27 Jahre alte Starkicker besitzt ein geschätztes Vermögen von 145 Millionen Euro. Zu seinem Monatsgehalt in Höhe von rund 3,067 Millionen Euro kommen Werbeinnahmen und mehr.

Für Ex-Fußballer Roberto Romanello ist die Sache umgekehrt. Der Waliser sattelte 2005 auf Poker um, nachdem eine schwere Verletzung seine Sportkarriere unterbrochen hatte.

Wie Neymar kam sein Einstieg ins Zocken online, wo ihn rasche Erfolge zum dauerhaften Karrierewechsel ermutigten. Seitdem hat er mehr als 2,5 Millionen US-Dollar an Preisgeld kassiert.

Zu den erfolgreichen Multitalenten gehört auch Ronaldo. Der legendäre Brasilianer, der sich nach etlichen Operationen und durch Schilddrüsenunterfunktion verursachte Gewichtsprobleme, die er nicht medikamentös durch Hormoneinnahmen lösen durfte, weil diese unter Doping fallen, hatte sich 2011 vom aktiven Sport verabschiedet. Der 1976 in einem ärmlichen Vorort von Rio den Janeiro geborene Ronaldo galt schon früh als Ausnahmetalent. Drei Weltmeisterschaften, mehr als 400 Tore, drei Titel als weltbester Spieler des Jahres gehen auf sein Konto.

Den gleichen Ehrgeiz und die bedingungslose Hingabe wie auf dem Fußballfeld legt Ronaldo am Pokertisch jedoch nicht vor. Dafür liebt er die Entspannung und die Zeit zum Nachdenken, die ein Fußballmatch nicht erlaubt.

Doch es gibt auch Fälle, wo die Begeisterung für das Kartenspiel ausufert. Schalke-Profi Amine Harit hat sich freiwillig fürs Casino sperren lassen, weil die mit Pokern verbrachten Nächte zu einer Bedrohung seiner Karriere wurden.

Für viele Kicker ist das allerdings kein Problem. Für sie ist es der Kontrast zwischen Fußball und Poker, der sie reizt. Während auf dem Rasen alles vom Team und dem Zusammenspiel abhängt, ist beim Zocker jeder Spieler auf sich allein gestellt. Fehler werden nicht abgefangen, aber dafür ist auch niemand anderes für eine etwaige Niederlage verantwortlich. Adrenalin fließt bei beiden Spielen, auch wenn ein Pokerspiel nach außen hin noch so ruhig erscheinen mag.

Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten. Beim Fußball kennen die guten Spieler ihre Mannschaftskameraden in- und auswendig, was Stärken und Schwächen im Spiel anbelangt. Beim Poker erhöht es die Erfolgschancen, den Charakter der Gegner zu studieren und zu wissen, wer gern blufft, wer vorsichtig spielt und wer selbst mit einer schwachen Hand nicht hinwirft. Genau wie ein Fußballspiel, das über lange Zeit grenzenlose Konzentration erfordert, kann sich ein Pokerspiel hinziehen, und jedes kurzfristige mentale Nachlassen kann über Gewinn und Verlust entscheiden.

Bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika soll Nationaltrainer Joachim Löw sogar zur Entspannung und zum Teamaufbau einen Pokertisch mitgebracht haben.

Das Zugucken bei Turnieren ist ebenfalls populär. Dass er auch jenseits des Fußballfeldes vor laufenden Kameras eiserne Nerven besitzt, bewies Max Kruse bei der Pro7 PokerStars.de Nacht, als er 2015 am Pokertisch abräumte. Die Siegprämie lag bei 50.000 Euro. Den Gewinn spendete Kruse an das Kinderhospiz Regenbogenland und an eine Jugendinitiative in Hamburg.

Eine Karriere als Profi-Pokerspieler nach seiner Zeit als aktiver Kicker käme zumindest vom Können her für Kruse durchaus in Frage. Wenn es die Zeit zulässt, ist er auch bei Turnieren der World Series of Poker Europe, dem kleineren europäischen Ableger der Tour, am Tisch anzutreffen.

Auch Online-Zocker müssen damit rechnen, es plötzlich mit einem Fußballidol zu tun zu haben, wenn sie in eine virtuelle Runde im Casino einstiegen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit gering – allein in Deutschland gab es im Jahr 2013 rund 357.000 aktive Online-Poker-Spieler, und in Frankreich, wo Neymar unter Vertrag steht, waren es über eine halbe Million.

Die Tendenz ist steigend, nicht nur unter Fußballern.

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