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WIE POLITIK UND FUSSBALL LEIPZIG SPALTEN

März 16th, 2017 | Posted by Transparent Magazin in Magazin

»Wir hauen die Lokis ganz einfach tot, dann ist die Prager Straße wieder rot«, heißt es in einem berühmten Fangesang, der regelmäßig von Chemie-Leipzig-Anhängern intoniert wird. Martialisch, hasserfüllt, radikal. Nur einige Attribute, die Außenstehende mit dieser Textzeile assoziieren. Schlichte Provokation oder teilweise Realität? Einige Antworten lieferten die Begleiterscheinungen des letzten Leipziger Pokalderbys. Zeit für eine Momentaufnahme.

Text & Fotos Maximilian Radke und Alexander Bekemeier | Erschienen in Ausgabe 20

»Auf dem Papier ist es nur das Spiel zwischen einem Viert- und einem Fünftligisten. Für uns Leutzscher ist es alles. Systeme kamen, Systeme gingen, das Derby blieb.« Johannes Salzmann, Stadionsprecher der BSG Chemie Leipzig, wählt pathetische Worte. So kurz vor dem Anpfiff verdeutlichen sie jedem Anwesenden die Bedeutung dessen, was gleich beginnen wird: Das erste richtige Leipziger Derby seit der Wende.

Das Duell der zwei Rivalen hat viele Gesichter, manche gleichen einer Maske, manche sind mit Vorurteilen gespickt: Chemie gegen Lok, Grün-Weiß gegen Blau-Gelb, Arbeiterverein gegen DDR-Musterclub, Links gegen Rechts, Leutzsch gegen Probstheida. Fakt ist, langweilig waren die Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten nie und auch gewalttätige Auseinandersetzungen spielten schon früh eine Rolle. Jörg ist 50 Jahre alt und eingefleischter Chemie-Fan, seitdem er denken kann. Er steht auf der obersten Stufe des Fanblocks und sieht zu, wie sein Kumpel die eisernen Sprossen zur Anzeigetafel erklimmt und ihre Zaunfahne festbindet. »Falsch rum«, stöhnt er genervt. Während die »dudA 03«-Fanclubfahne gedreht wird, erzählt er, dass bereits sein Großvater und sein Vater hier auf dem Norddamm der Betriebssportgemeinschaft die Daumen drückten. Genau wie die Vereinszugehörigkeit sei auch die Rivalität zwischen Lok und Chemie stets von älteren an jüngere Generationen und somit auch an ihn weitergegeben worden.

Die ersten Begegnungen datieren aus den 30er-Jahren. Chemie hieß damals noch TuRa und fungierte als Verein der einfachen Arbeiter, während der VfB, als Vorgängerverein vom 1. FC Lokomotive Leipzig, sein Publikum hauptsächlich aus dem Bürgertum akquirierte. Gegensätze, die einem sportlich fairen Miteinander nicht unbedingt dienlich waren und eine tief verwurzelte Feindschaft entstehen ließen. Diese wurde zu DDR-Zeiten nochmal befeuert, als die Vereine ihre heutigen Namen bekamen und die Blau-Gelben zu einem staatlich protegierten Vorzeigeverein wurden. Herausragende Spieler wurden Lok zugeteilt, während sich Chemie mit dem Rest zufrieden geben musste, der im Jahr 1964 immerhin so gut war, dass er überraschend die Meisterschaft erringen konnte. Auch an den Zuschauern ging die staatliche Unterstützung für Lok nicht spurlos vorbei. Wer Probleme mit dem System hatte, hielt eher zu Chemie. Da dies aufgrund von Stasi, Mauer und staatlicher Repression keine Minderheit war, waren die Sympathien in der Stadt zunächst klar verteilt. Nicht selten endeten die Spiele mit körperlichen Auseinandersetzungen, sei es, aufgrund von Systemkritik, gegen die Volkspolizei oder eben gegen den Gegner auf den Rängen. Stets hatten die Chemie-Fans die Nase vorn, bis Anfang der 80er-Jahre die Hooliganwelle auch den Osten erreichte und sich die Lok-Sympathisanten zu organisieren begannen, Kampfsport betrieben und schleichend das Gewaltmonopol an sich rissen. Die Skinheads betraten die Fußballbühne und sorgten für eine Politisierung der blau-gelben Anhängerschaft. Jörg erinnert sich, dass zu dieser Zeit viele seiner Altersgenossen zu Lok gingen. Auch aus Opposition zu ihren Vätern.

Dann kam die Wende. Während Chemie sportlich nicht den Anschluss schaffte, fand sich Lok, mittlerweile wieder unter dem Namen VfB Leipzig unterwegs, im Profifußball wieder. Im Zentralstadion gastierten große Namen des westdeutschen Fußballs und Lok band junge Fans an sich. Doch der Erfolg war nicht von langer Dauer. »Als sich die Lage in den 90ern zuspitzte, wurde der VfB seitens der Stadt im Stich, später gar gänzlich sterben gelassen, wohingegen heute ein solcher Verein wie RB in höchstem Maße protegiert wird. Daher sind viele Menschen sehr verbittert, dass heute im ruhmreichen Zentralstadion Derartiges stattfinden kann«, schlägt Lok-Fan Iljas (26), der sich intensiv mit der Geschichte des Vereins beschäftigt hat, die Brücke zur Gegenwart. Die Derbyhistorie setzte sich erst nach dem Abstieg des VfB im Jahr 1998 in der Regionalliga Ost fort. Die heißen Duelle bekamen zu dieser Zeit eine neue, politische Dimension. Chemie-Anhänger Jörg ärgert sich, dass das Derby aufgrund rechter Tendenzen beim Kontrahenten zusehends zu einem politischen Wettstreit geworden ist. Dass sich beide Vereine die Stadt teilen, sei für ihn originärer Quell der Rivalität. Hass empfinde Jörg nicht, wenn er an die Blau-Gelben denkt. Spiele gegen die Lokomotive besetzt er nicht negativ mit Vernichtungssehnsüchten, sondern mit großen Gefühlen: »Zum ersten Mal hatte ich bei einem Fußballspiel Tränen in den Augen.« Nichtsdestotrotz würden auch Provokationen zu den Aufeinander-Treffen gehören. Ob ein mit Unkraut zerstörter Rasen oder ein durch die Stadt getriebenes, grün-weiß angemaltes Schwein – Grüße an den Derbygegner habe es immer schon gegeben, sie seien eben ritualisiert.

Doppelter Neustart in den unteren Ligen

Beim »Skandalspiel« 2002 geschah indes weit mehr als das. Laut »Leipziger Volkszeitung« musste die Partie für 22 Minuten unterbrochen werden. Es kam zu Ausschreitungen beider Fanlager. »Wir sind Lokisten – Mörder und Faschisten« prangte damals im Gästeblock des Alfred-Kunze-Sportparks und ein weiteres Spruchband verkündete, dass Rudolf Heß beim VfB Rechtsaußen spiele. »Diese Ansammlung von Kriminellen und Rechtsradikalen ist nicht mehr hinnehmbar«, gab der damalige Leipziger Bürgermeister Holger Tschense gegenüber der »Leipziger Volkszeitung« zu Protokoll und brachte die Entwicklung innerhalb der VfB-Fanszene auf den Punkt. Zwar distanzierte sich der Verein immer wieder mit Nachdruck, die rechten Hooligans aber blieben. Erst in der Folgezeit sorgten großangelegte Polizeieinsätze weitestgehend für Ruhe im Stadion. Die Ultragruppen gewannen an Einfluss, inszenierten hübsche Choreographien, trugen die Auseinandersetzungen aber auch in den Alltag. Im Szeneheft »Blickfang Ost« berichteten Fangruppen beider Vereine immer wieder von kleineren Ausschreitungen. Gegenseitiges Auflauern nach Spielen und eine neue Fangeneration belebten die Feindschaft von Neuem. Vorerst allerdings ohne klassische Derbys, da der VfB Leipzig nach der Saison 2003/ 2004 aus dem Vereinsregister gelöscht wurde und auf Faninitiative ein Neuanfang unter dem Namen 1. FC Lok in der untersten Spielklasse gestartet wurde. Ähnlich erging es ein paar Jahre später auch Sachsen Leipzig, dem Nachfolgeverein der BSG Chemie, und auch dort blieb letztlich nur ein Neustart unter dem alten Namen in der Kreisklasse.

Von zwei Duellen Chemies mit der zweiten Mannschaft von Lok abgesehen, treffen sich die Kontrahenten im November 2016 zum ersten Mal in dieser nominellen Konstellation wieder. Während sich das Derby-Präludium bei Chemie-Fan Jörg auf Frotzeleien mit Arbeitskollegen beschränkte, mühten sich die Protagonisten der »Fanszene Lokomotive Leipzig«, eine Selbstbezeichnung aktiver Anhänger, beim Überklettern der gegnerischen Stadiontore um einiges mehr ab, die Aufmerksamkeit auf ihr Gebaren zu lenken. So veröffentlichten sie Fotos und eine Videobotschaft aus dem Stadion im Leutzscher Holz, während sich die Chemiker beim Auswärtsspiel in Bernburg befanden. Ebenso wurde ein »Gang-Bang«-Porno aus dem Jahr 2004 reaktiviert, in dem Szenemitglieder von Lok als Darsteller auftraten. Die Ultras der BSG Chemie übten sich derweil darin, die Aktionen der »Fanszene Lok« zu desavouieren und luden das Mobfoto der »Fanszene« aus dem Alfred-Kunze-Sportpark auf Pornoseiten hoch. Titel: »Schwarze Männer kommen viel zu früh«. Außer einem Derbytrailer, ein paar Transparenten oder Hassgesängen waren keine weiteren Botschaften in Richtung des Stadtrivalen zu vernehmen. Dabei hatte sich das Verhältnis zwischen Chemikern und »Fanszene Lok« sowie der rechten Hooligangruppe »Scenario Lok« schon weit vor Auslosung der Pokalpartie verschlechtert.

Rechte Freefight-Kämpfer bei Kiez-Überfall

Die jüngste Chronologie beginnt am 11. Januar 2016, am ersten Jahrestag der »LEGIDA«-Demonstrationen. 215 rechte Gesinnungstäter zogen an diesem Abend durch den linken Kiez Connewitz und zerstörten Szenekneipen, den Laden vom Roten Stern Leipzig und ein Dönerrestaurant. Beteiligt waren einige Freefight-Kämpfer aus dem »Imperium Fight Team« von Benjamin Brinsa. Sie alle speisen sich aus dem »Scenario Lok«. Bereits 2013 hatte der Verein Lokomotive Leipzig ein Auftrittsverbot für die Hooligangruppe verfügt, als unmittelbare Konsequenz aus einem Blocksturm, dem Zeigen des Hitlergrußes und Rufen wie »Arbeit macht frei – Babelsberg 03« oder »NSU, NSU« beim Auswärtsspiel in Babelsberg. Daraufhin hatte sich das »Scenario Lok« im Herbst 2014 offiziell aufgelöst.

De facto existiert die Gruppierung weiter. Sie verzichtet lediglich auf die Verwendung von Gruppeninsignien. Der ihnen zugerechnete Personenkreis ist im schnöden Ligaalltag kaum mehr präsent, kann aber weiterhin Einfluss auf die »Fanszene Lok« rund um die Ultragruppe »Gauner Lok« ausüben und zu brisanten Spielen ein breites neonazistisches Gewaltpotential mobilisieren. Eine Manifestation dieses Verhältnisses stellte das umstrittene MMA-Event »Imperium Fighting Championship« am 27. August 2016 dar. Anstatt zum Auswärtsspiel nach Babelsberg zu fahren, versammelte sich die »Fanszene Lok« im Leipziger Kohlrabizirkus, um die rechten Freefight-Kumpanen bei ihren Kämpfen anzufeuern. Nur etwa einen Monat später, am 25. September, planten knapp 40 Lok-Hooligans einen Angriff auf die nach Gera mitgereisten Gästefans von Chemie. Die Polizei Thüringen stellte bei einer Kontrolle Messer, Schlagstöcke und Quarzsandhandschuhe bei den Hooligans sicher. Schließlich mussten eine Woche vor dem Derby etwa 130 Anhänger von Lok ihre Personalien abgeben, als sie in Leipzigs Innenstadt auf der Suche nach Chemikern waren. Aus den Vorfällen in Connewitz, Gera und Leipzig resultierten 154 Aufenthaltsverbote für das Stadionumfeld und Meldeauflagen am Derbytag, sodass die rechten Hools zu einem Public Viewing aufriefen. Diesen Umstand sollte die grün-weiße Kurve aufgreifen und in Anspielung auf das Spruchband von 2002 äußern: »Rudolf Heß beim Lok-Public-Viewing rechts außen.«

Neben der »Fanszene Lok« existiert mit der »Fankurve 1966« noch ein weiterer aktiver Zusammenschluss von ultraorientierten Lokisten. Als FK 1966 treten seit Sommer 2014 Mitglieder der »Blue Side Lok« wieder in Erscheinung, deren Gruppe 2011 gewaltsam vom »Scenario Lok« zum Aufgeben gezwungen worden war. Die Sanktionen des Vereins gegen das »Scenario« hatten den Weg für dieses Wiedererstarken der Ultrakultur in Probstheida geebnet. Die FK 1966 fokussiert sich darauf, eine kritische Alternativbewegung zu den reaktionären Kräften im Umfeld des eigenen Vereins anzubieten und Ultra unter der Prämisse einer diskriminierungsfreien Kurve zu leben. Deshalb achteten sie darauf, sich im Stadion abseits der mit NS-Kürzel versehenen »good night green white«-Fahne hinter ihren eigenen Fahnen zu positionieren. Ein Spruchband der »Diablos« fasst die Entwicklung beim Gegenüber ironisch zusammen: »Zecken bei Lok in der Kurve – wohl zu viel im Wald gewesen, Scenario?!«

Ausschreitungen bleiben aus

Im Unterrang des Leutzscher Norddamms hat sich am Derbytag ein imposanter Mob, mit Unterstützung aus einigen Fußball- und Antifa-Szenen, um die Ultragruppe »Diablos Leutzsch« formiert. Eine Masse, die in ihrer schwarzen Uniformierung jederzeit die Bereitschaft zum Kampf signalisiert. Die Zaunfahne von Chemie-Fan Jörg hängt mittlerweile richtig herum über der Anzeigetafel. An den unteren Schlaufen sind Holzstöcke befestigt, damit sie nicht vom Winde verweht wird. Denn heute wird ein Sturm erwartet, nicht im meteorologischen Sinne, sondern durch das Tosen der Ränge. »Alle sind sich der Bedeutung des heutigen Tages bewusst und dabei steht nicht das Sportliche im Vordergrund. Es herrscht eine ganz spezielle Atmosphäre. So einen Aufwand hat die Polizei noch nie betrieben und so ruhig war es auch noch nie«, meint Jörg. Tatsächlich liegt der Alfred-Kunze-Sportpark wie unter einem Schleier. Die Sonne scheint zwar, jedoch unterhalten sich die Fans nur gedämpft. Bloß nicht zu laut, bloß nicht zu auffällig. Es scheint die Ruhe vor dem Sturm zu sein. Die Lokschen Anhänger kommen heute eher spät. Tröpfchenweise betreten sie den Gästeblock und müssen zunächst den präparierten Zaun vom Schmierfett reinigen. Dabei werden sie begleitet von der Musik der italienischen Ska-Punk-Band Banda Bassotti, deren Lied »Figli della stessa rabbia« aus den Lautsprechern dringt. Sei es die antiimperialistische Band oder das Banner »Leutzscher Juden«, das selbstaffirmativ gewendet wurde; die Provokationen verbleiben überwiegend auf der politischen und der verbalen Ebene. Die »Angst vor dem deutschen Hooligan-Gipfel« (»Die Welt«) erweist sich als unbegründet. Auch akustisch können beide Seiten nicht die angezogene Handbremse lösen. »Das kann doch noch nicht alles sein. Ich will euren Hass spüren«, versucht Chemie-Vorsänger »Menne« die Kurve zu einer Höchstleistung anzustacheln. Doch das Gelegenheitspublikum und Gäste aus Nah und Fern machen eine geschlossene Koordination merklich schwer.

Jörg Augsburg, Medienbetreuer bei Chemie Leipzig, spricht trotz dessen von einem »Fußballfest für alle Beteiligten«. Selbstverständlich sei das Derby ein brisantes Spiel gewesen, doch, so Augsburg weiter, »die Panikmache im Vorfeld fanden wir unangemessen. Am Spieltag kam es dann auch zu keinerlei Vorfällen.« Nicht mal Pyrotechnik kam in größerem Ausmaß zum Einsatz. Nur die »Fanszene Lok« ließ ein wenig Rauch aufsteigen. »Nach den nervenaufreibenden Verhandlungen im Vorfeld mussten die Chemiker im eigenen Stadion ein wenig die Füße stillhalten, insofern man plant, dort in der Zukunft andere brisante Spiele austragen zu dürfen. Das erhoffte Gut-gegen-Böse-Szenario stellte sich aber nicht so recht ein, was primär natürlich an den Meldeauflagen lag«, vermutet Lok-Fan Iljas. Sarah Köhler vom Fanprojekt Leipzig pflichtet ihm bei: »Man muss definitiv festhalten, dass sich die im Stadion aktiven Gruppen an diesem Tag sehr deutlich zusammengerissen haben.« Während das Derby also an diesem Tag ohne Gewalt auskommt, ist eine spezielle Rivalität dennoch überall spürbar. »Gruppo Anti Lok« teilt der Norddamm zu Beginn des Spiels mittels einer großen Blockfahne dem Gästeblock mit. Eine Botschaft, die zudem auf etliche geklaute Fanschals gepinselt wurde. Zwar liefern beide Mannschaften den 4.999 Zuschauern im ausverkauften Alfred-Kunze-Sportpark keinen fußballerischen Leckerbissen, sie kämpfen aber um jeden Quadratmeter Rasen. Die weißen Trikots der Chemie-Spieler färben sich schnell braun, immer wieder kommt es zu Rudelbildungen. Schiedsrichter Jens Klemm hat alle Hände voll zu tun, nicht die Kontrolle über das Derby zu verlieren und stellt nach 60 Spielminuten Lok-Spieler Steffen Fritzsch nach einer Grätsche vom Platz. Elf Leutzscher gegen zehn Lokisten, ein Kräftemessen, das erst in der Verlängerung seinen Sieger findet. Während Chemie-Akteur Alexander Bury am Aluminium scheitert, gelingt Loks Japaner Watahiki letztlich etwas glücklich der Matchball. »Ich glaube, er weiß gar nicht, was für eine Bedeutung dieses Tor für den 1. FC Lok hatte. Er wird in die Vereinsannalen eingehen«, sagt Lok-Geschäftsführer Michael Mieth. Das Erreichen des Pokalhalbfinals sei der größte Vereinserfolg in den letzten Jahren gewesen.

Antifaschistisches Rechercheteam veröffentlicht Dossier

»Nach dem Spiel ging es dann wieder relativ schnell bergab mit dem innerstädtischen Derbyfeeling«, stellt Iljas fest. Das könnte sich nun ändern. Ein antifaschistisches Rechercheteam hat ein umfangreiches Dossier erstellt, in dem sämtliche mutmaßlichen Täter des Überfalls auf Connewitz gelistet sind – samt Fotos, Arbeitsstellen, Interessen und Zugehörigkeiten zu Kampfsportgruppen, rechten Netzwerken und der Fanszene von Lok. Rund 30 der Beteiligten sollen demnach der »Fanszene Lok« oder dem »Scenario Lok« zugehörig sein. Außerdem involviert waren demnach vier Personen aus dem Kreis der »Ultras Gera 1999« und vier, die mit der »Faust des Ostens« assoziiert werden, einer zunächst aus dem K-Block verbannten und später als kriminelle Vereinigung angeklagten Gruppe von Dynamo-Dresden-Hooligans. Hinzu kommt: Chemie rangiert derzeit an Position zwei der Tabelle der NOFV-Oberliga Süd und schnuppert am Aufstieg. Sarah Köhler blickt für das Fanprojekt in die Zukunft: »Die Anspannung ist natürlich schwer zu messen und zu beschreiben, irgendwie angespannt ist die Lage eigentlich immer. Da macht die Veröffentlichung ganz salopp gesagt ›den Kohl nicht fett‹. Ligaderbys bei einem möglichen Aufstieg von Chemie würden aber in diesem Sinne wieder zu einer Verdichtung und Zuspitzung führen.« Darum könnte das Säbelrasseln bald wieder losgehen, bis es dann heißt: »Auf dem Papier ist es nur das Spiel zwischen zwei Viertligisten. Für uns Leutzscher ist es alles...«

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