Header

TUT SICH WAS? – ANTIDISKRIMINIERUNGSARBEIT BEIM BVB

Oktober 8th, 2014 | Posted by Transparent Magazin in Magazin

Lange Zeit fiel die Fanszene des BVB politisch vor allem negativ auf. Doch auf Dauer wollten viele den rechten Ruf nicht auf sich sitzenlassen, weswegen sowohl der Verein als auch einige Fans des BVB anfingen, sich offener gegen rechts zu positionieren.

Von Henning Rennekamp
(Erschienen in: Ausgabe 10)

antidiskriminierungsarbeit-borussia-dortmund-01

Für Borussia Dortmund lief es in den vergangenen drei Jahren sportlich so gut wie lange nicht. Leider machte der Verein parallel zum sportlichen Erfolg immer wieder negative Schlagzeilen durch rechtsoffene oder gar eindeutig rechtsradikale Fans. Im August 2012 verbietet der Verfassungsschutz die Neonazi-Kameradschaft »Nationaler Widerstand Dortmund« und kurz darauf halten Besucher auf der Südtribüne des Dortmunder Stadions beim Bundesligaspiel gegen Werder Bremen eine Tapete mit der Aufschrift »Solidarität mit dem NWDO« hoch. Im Dezember des gleichen Jahres werden Vorwürfe laut, der BVB beschäftige Neonazis als Ordner im Stadion. Das sind nur zwei Beispiele. Den traurigen Höhepunkt kennzeichnet jedoch der Angriff zweier Neonazis auf den Fanbeauftragten Jens Volke und den Leiter des Fanprojekts Thilo Danielsmayer beim Auswärtsspiel des BVB im Achtelfinale der Champions-League gegen Schachtar Donezk im Februar 2013.

Ein Verein, seine Stadt und deren Neonazis

Schnell wurde der BVB damals in eine Reihe mit Vereinen wie Eintracht Braunschweig, Alemannia Aachen oder später auch MSV Duisburg gestellt, wenn es darum ging, das Problem rechtsradikaler Hooligans im deutschen Fußball zu erläutern. In diesen Städten haben rechte Hooligangruppen durch vermehrte Angriffe auf antirassistische Ultras eine Situation herbeigeführt, in der es für viele dieser Ultras nicht mehr, oder nur noch sehr eingeschränkt, möglich ist, Spiele ihres Vereins zu besuchen. Doch die Situation in Dortmund war eine andere, meint Hans L. (Name geändert), der jahrelang Mitglied der Dortmunder Ultràgruppe »The Unity« war: »Auch wenn das Problem im Stadion schon groß genug war, können wir froh sein, dass es nicht noch größere Formen angenommen hat, wenn man sich vor Augen führt, dass in Dortmund – im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen – das Problem in der Stadt noch wesentlich größer ist als im Stadion.« Diese Aussage wurde erst jüngst bestätigt, als etwa 20-30 Mitglieder der Partei »Die Rechte« versuchten, am Abend der Kommunalwahl das Rathaus zu stürmen. Dabei wurden mehrere Gäste teilweise durch Schnitt- und Platzwunden verletzt. »Die Rechte« gilt als Nachfolgeorganisation des verbotenen »Nationalen Widerstand Dortmund«. Unter den Angreifern befand sich auch der Spitzenkandidat und frisch in den Rat gewählte Siegfried Borchardt, besser bekannt als SS-Siggi, welcher in den 1980er-Jahren die rechtsradikale Hooligangruppe »Borussenfront« gründete und bis heute ein gewichtiges Wort in der rechtsradikalen Szene und in Hooligankreisen des BVB hat. Das dürfte auch der Grund sein, weswegen seine Partei sich für den Slogan »Von der Südtribüne in den Stadtrat« entschied. Der Verein Borussia Dortmund ließ den Wahlwerbespruch jedoch erfolgreich verbieten.

Doch nicht nur aufgrund der lokalen Besonderheiten lässt sich der BVB schlecht in eine Reihe mit den Situationen in Aachen, Braunschweig oder Duisburg einordnen. Die Konflikte in den genannten Städten entfachten sich vor allem zwischen vergleichsweise linken Ultràgruppen und mindestens rechtsoffenen Hooligangruppen, die diese nicht in der Kurve dulden wollten. In Dortmund gab es jedoch nie und gibt es bis heute keine explizit linke Ultràgruppe, weswegen für viele Vertreter des Vereins und der nicht-aktiven Fanszene die Ereignisse wie aus dem Nichts zu kommen schienen. »Es herrschte einfach eine große Unsicherheit im Umgang mit dem Thema und man war von der Situation Ende 2012 überrumpelt« beschreibt Daniel Lörcher, Fanbeauftragter des BVB und ehemaliger Vorsänger von »The Unity«“, den Zustand des BVB-Vorstands zur Zeit nach den rechten Vorfällen.

Ob die Situation wirklich überraschend war, kann allerdings angezweifelt werden. Sven (Name geändert), Politikwissenschaftler und seit acht Jahren Besitzer einer Dauerkarte für die Südtribüne des Dortmunder Stadions geht noch weiter: »Man wusste schon immer, dass es Neonazis und rechte Gruppen im Stadion gibt. Wer mit offenen Augen durch das Stadion lief, konnte die eigentlich gar nicht übersehen. Dem Großteil der aktiven, aber auch nicht aktiven Fanszene, war das Problem einfach egal. Die meisten Leute hat es gar nicht gestört, bis der öffentliche Druck so groß wurde, dass man sich positionieren musste.«

In der Ultràszene schien sich zur damaligen Zeit ebenfalls niemand so recht dafür zu interessieren. Das berichtet auch Hans: »Es haben sich immer mal wieder Leute für politische Themen interessiert, aber diese fühlten sich dann sehr schnell alleine gelassen, weil sonst niemand so wirklich Interesse daran hatte. So was gab es über Jahre immer wieder mal, aber dadurch, dass diese Leute dann völlig alleine waren, sind sie der aktiven Szene weggebrochen«, erzählt er über die damalige Situation.

Aufkleber gegen Diskriminierung vor dem Dortmunder Stadion.

Aufkleber gegen Diskriminierung vor dem Dortmunder Stadion.

 »Nicht mit unser’m BVB!«

Nach dem hochgehaltenen Transparent für den »Nationalen Widerstand Dortmund«, gab es im darauffolgenden Heimspiel gegen Bayer Leverkusen im September 2012 eine breite Reaktion des gesamten Stadions. »Die Fanclubs haben sich im Stadion sichtbar sofort davon distanziert. Zwar gab es keine Statements gegen Rassismus, allerdings gegen Nazis, was schon mehr war, als bis dahin bekannt«, erinnert sich der Fanbeauftragte Daniel Lörcher. Und spätestens mit dem Übergriff in Donezk setzte eine Wendung sowohl beim Verein als auch in der Fanszene ein. Die Ultràgruppe »Jubos« distanzierte sich klar von diesem Angriff und sicherte den Opfern ihre Unterstützung zu. Und selbst die Ultràgruppe »Desperados«, die als rechtsoffen gilt, fühlte sich genötigt, ein Spruchband mit der Aufschrift »Hände weg vom Fanprojekt« hochzuhalten. Auch Hans meint, dass »danach viel mehr Leute darauf geachtet haben und auch das Bewusstsein im gesamten Stadion sich dadurch verändert hat. Bei diskriminierenden Spruchbändern würde die Südtribüne heute sofort darauf reagieren. Das wäre früher nicht passiert.«

Für den Verein war zu dem Zeitpunkt ebenfalls klar, dass man sich eindeutig positionieren und definitiv etwas passieren musste. »Zuerst ging das im Spieltags-Alltag wieder unter, doch Anfang September 2013 folgte eine konkrete Umsetzung der einzelnen Projekte in ein Gesamtkonzept«, erzählt Daniel Lörcher.

Und in der Tat scheint zumindest quantitativ viel bei Borussia Dortmund zu passieren. Die Liste an Aktionen, von denen Daniel Lörcher berichten kann, ist lang. So verteilte der Verein beispielsweise 80.000 Flyer im Stadion, die auf rechte Codes und Symbole hinweisen. Der BVB beteiligt sich an den Aktionswochen des antirassistischen Netzwerkes FARE und verkauft einen »Gegen Rassismus«-Schal. Die Fanbeauftragten besuchten die »!Nie Wieder«-Konferenz zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus im Fußball und sie organisieren vor allem regelmäßige Gedenkstättenfahrten und Zeitzeugengespräche für Fans und Fanclubs. Zusätzlich läuft in naher Zukunft eine Kampagne mit regelmäßigen Aktionen gegen Diskriminierung und auf der Homepage des BVB soll eine eigene Sektion mit Links zu grundlegenden Informationen zum Thema Rechtsextremismus, aber auch weiterführenden Texten, eingerichtet werden. Das sind nur wenige Beispiele für das derzeitige Engagement Borussia Dortmunds. Zusätzlich steht der Verein in ständiger Zusammenarbeit mit der Kompetenzgruppe »Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit« (KoFaS), eine dem Institut für Sportwissenschaft der Universität Hannover angegliederte Arbeitsgruppe, die den Prozess beim BVB wissenschaftlich begleitet. »Wir erhalten von der KoFaS wichtige inhaltliche und strukturelle Unterstützung«, begründet der Fanbeauftragte die Zusammenarbeit. Und diese Zusammenarbeit scheint zu fruchten. Gerd Dembowski, Fanforscher und Mitarbeiter der KoFaS, ist zuversichtlich, dass beim BVB gerade ein solides Grundgerüst für die zukünftige Arbeit gegen rechts aufgebaut wird: »Bei der Borussia herrscht zur Zeit wirklich ein ernsthaftes Interesse, langfristig etwas zu verändern. Ich bin zuversichtlich, dass die jetzigen Konzepte das auch leisten können.«

»Es passiert generell gerade sehr, sehr viel. Vor allem geht es darum, immer die Fans mit einzubinden und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie mit dem BVB zusammen etwas gegen Nazis unternehmen können«, erklärt Daniel Lörcher die Grundidee der momentanen Arbeit. Wichtig sei ihm und dem Verein vor allem, langfristig und nachhaltig bei den Leuten ein Gespür für Alltagsrassismus zu schaffen und dort die Stadionbesucherinnen und Stadionbesucher zu sensibilisieren.

Alltagsrassismus und auch andere Formen von Diskriminierung beschäftigen auch eine Gruppe, zu deren Gründerinnen und Gründern auch Hans gehört. »Die Initiative ballspiel.vereint! ist ein Bündnis von Borussia-Dortmund-Anhänger_innen, das sich aus verschiedensten Teilen der Fanszene zusammensetzt. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, ein Bewusstsein für alltägliche Diskriminierungen rund um den BVB zu schaffen, um langfristig einen antidiskriminierenden Grundkonsens in der Dortmunder Fanszene zu etablieren«, heißt es auf dessen Internetseite. Die Liste derer, die diesen Grundkonsens unterzeichnet haben, umfasst über 40 Fanclubs. Von den Dortmunder Ultràgruppen ist jedoch keine dabei. Dennoch ist allein die Gründung der Initiative, die zum Teil aus ehemaligen Mitgliedern der Ultràszene besteht, mehr als man sich noch vor einiger Zeit vorstellen konnte. »Als wir nach Donezk (dem Übergriff auf Volke und Danielsmayer, Anm. d. Red) die ganzen Spruchbänder gesehen haben, wussten wir, dass in der Szene etwas fehlt. Der Verein hat zwar sein Engagement verstärkt, aber wir wollten, dass aus der Szene auch noch etwas Eigenes kommt und wir haben gesehen, dass das Potenzial dazu besteht«, erinnert sich Hans. Und er fügt hinzu: »Dass der Verein jetzt klarer Position bezieht, finden wir gut, aber darauf wollen wir uns nicht verlassen, eher wollen wir klar machen, dass man da am Ball bleiben muss.«

Doch die Initiative kommt dabei nicht mit erhobenen Zeigefinger daher und läuft deshalb auch weniger Gefahr, als Nestbeschmutzerin zu gelten. »Wir konnten da von den Entwicklungen bei Vereinen wie Braunschweig zum Beispiel lernen, dass es nicht klappen wird, mit der Brechstange vorzugehen«, erzählt Hans. Eine Einschätzung, die auch Gerd Dembowski teilt: »In Dortmund war es wichtig, dass sich eine Fangruppe bildet, die sich breit aufgestellt zivilcouragiert engagieren kann. Eine eher linksalternative Ultragruppe hätte sich irgendwann zwangsläufig der Machtfrage in der Kurve stellen müssen.«

Ein breites Bündnis wie »ballspiel.vereint!« hingegen ist auf keiner Ebene, außer der politischen, angreifbar. Ein wie auch immer gearteter Angriff auf die Initiative könnte also nicht – wie so oft in der Vergangenheit – mit ultràinternen Meinungsverschiedenheiten über die Art und Weise, wie eine Ultràkultur in Dortmund auszusehen habe, gerechtfertigt werden. Personen oder Gruppen, die gegen »ballspiel.vereint!« vorgingen, würden sich selbst als Gegner von Engagement gegen Diskriminierung im Stadion entlarven und dadurch mittlerweile auch disqualifizieren.

Das sieht Hans als großen Fortschritt an: »Anfangs hatten wir die Befürchtung, dass wir Probleme kriegen könnten, wenn wir beispielsweise ein Transparent mit antirassistischer Aussage hochhalten, aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass das kein Risiko darstellt. Die Nazis können im Stadion einfach nicht mehr so offen agieren.« Und sich frei positionieren zu können, ist der Initiative wichtig. Hans berichtet vor allem davon, dass von den Fans selber eine Position kommt und nicht nur das Image, welches der Verein nach außen tragen will: »Das hat auch noch mal eine ganz andere symbolische Wirkung, wenn nicht nur die Mannschaft ein ausgedrucktes und in die Hand gedrücktes Hochglanz-Plakat hochhält, sondern von der Tribüne selbst was kommt. Das soll auch zeigen, dass wir nicht nur gegen Diskriminierung sind, weil der Verein das so sagt, sondern weil es auch uns Stadiongängerinnen und Stadiongängern ein inneres Bedürfnis ist, sich dazu zu äußern.«

Dies hat natürlich einen begrüßenswerten Doppeleffekt für die derzeitige Zielsetzung des Vereins. Auf der einen Seite gibt es dem Verein eine positive Rückmeldung aus der Fanszene für sein Engagement und anderseits haben die Leute, die sich gerne im Rahmen von Borussia Dortmund politisch engagieren möchten, eine Anlaufstelle, die für sie an jedem Spieltag im Stadion ansprechbar ist. Die Fanbeauftragten setzen daher große Hoffnungen in die Initiative und unterstützen sie.

Quo vadis, Borussia?

Doch wie fundiert ist das ganze Engagement inhaltlich eigentlich? Ein zuletzt in der Dortmunder Öffentlichkeit hochgelobter Videoclip des Vereins zeigt ein nicht erst seit kurzem vollkommen überholtes Bild von Neonazis mit Bomberjacken und Springerstiefeln. »Das Video sollte nur ein Statement mit symbolischem Charakter sein und keineswegs aufklären. Wir haben dafür bewusst eine klischeehafte Darstellung gewählt, die aber nahezu jedem bekannt ist«, erklärt Daniel Lörcher. Politikwissenschaftler und Dauerkartenbesitzer Sven, der sichtlich verärgert über das Video ist, meint dennoch wohlwollend: »Vielleicht muss man zu Beginn von so einer langfristigen Kampagne erst einmal so plakativ vorgehen, aber ich finde, gerade deswegen ist es wichtig, dass parallel dazu inhaltliche Veranstaltungen stattfinden. Da finde ich es vor allem gut, dass »ballspiel.vereint!« um so etwas bemüht ist.«

Dennoch sieht er noch eine ganze Menge Luft nach oben: »Es müsste noch viel mehr inhaltliche Veranstaltungen geben. Gerade was Themen wie Homophobie, Sexismus und Antisemitismus angeht, passiert da zurzeit noch zu wenig. Ich finde, man darf die Fans da auch nicht unterschätzen und so tun, als wären die zu blöd dafür, aber man kann so etwas ja nicht mal eben in der Halbzeit diskutieren, deswegen braucht man Vorträge und Diskussionen.« Und genau da will auch die Initiative »ballspiel.vereint!« weitermachen. Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen. Zurzeit sind etwa 30 Leute regelmäßig aktiv. Ziel ist es, diese Zahl kurzfristig mindestens zu verdoppeln, da sich aktuell sehr viel Potenzial zeige. Dafür steckt die Gruppe gerade in internen Umstrukturierungen, erzählt Hans: »Wir sehen auch immer wieder, dass es super viele Leute gibt, die auch, was andere Diskriminierungsformen als offenen und direkten Rassismus angeht, schon viel Sensibilität mitbringen und gerade diese Leute wollen wir auf jeden Fall mit ins Boot holen und versuchen uns daher, weiter zu öffnen! Es kommen immer wieder Menschen zu uns und sagen, dass sie lange auf etwas wie uns gewartet hätten und erkundigen sich nach Möglichkeiten zur Mitwirkung.«

Was von all den hehren Zielen am Ende irgendwann übrig sein wird, bleibt abzuwarten. Die weitere Entwicklung lässt sich schlecht vorhersehen. Auf die Frage, wie es wohl in ein bis zwei Jahren beim BVB aussehen wird, antwortet Hans nur lachend: »Ich habe meine Glaskugel leider nicht dabei. Es sind viele Weichen in eine sehr gute Richtung gestellt worden, welche Züge nun mit welcher Geschwindigkeit dort fahren, wird sich aber zeigen müssen.« Es dürfte viel davon abhängen, ob gerade in der jetzigen Umbruchphase, die Ultràgruppen »Jubos« und »The Unity« anfangen, sich stärker zu positionieren, oder ob sie weiterhin unter dem Vorwand, unpolitisch zu sein, schweigen, wenn es um radikal rechte Tendenzen in der Fanszene geht. Zurzeit scheint es noch ein wenig so, als würden die beiden Gruppen gegenüber rechtsoffenen Akteuren wie denen der »Desperados« oder eindeutig rechtsradikalen Akteuren wie denen der Hooligangruppen »Northside« und »Borussenfront«, die das Gewaltmonopol in der Kurve besitzen, vorauseilenden Gehorsam leisten. Seit viele der politisch interessierten Leute »The Unity« verlassen haben, wirkt es von außen jedenfalls so, als seien alle Gruppen im Einklang miteinander.

Eine Situation, wie man sie in Duisburg, Braunschweig oder Aachen beobachten konnte, als sich die Vereine rausgehalten oder auf die Seite der rechten Aggressoren gestellt haben, ist in Dortmund allerdings nicht mehr zu erwarten. Hans ist der Meinung, dass »wenn es irgendwann zu einem Übergriff auf uns kommen sollte, dann sind wir zuversichtlich, dass der Verein hinter uns stehen und uns den Rücken stärken wird.«

Ein anderer Faktor, von dem die Entwicklung beim BVB abhängt, ist der sportliche Erfolg und die mediale Präsenz des Vereins, meint Sven: »Wenn es so bleibt wie zurzeit, wird es eine positive Entwicklung hinsichtlich des Nazi-Problems geben. Wenn jedoch sportlicher Misserfolg eintritt und das Geld für solche Projekte knapper wird oder die öffentliche Aufmerksamkeit nicht mehr ganz so hoch ist, wäre abzuwarten, was dann noch von dem Engagement übrig bleibt.« Und er fügt noch hinzu: »Realistisch glaube ich vielmehr, dass mit der generellen Repression gegen Ultràgruppen auch organisierte Neonazis in der Szene bald keine Schnitte mehr haben werden.«

Keiner der Faktoren lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt wirklich vorhersehen. Daniel Lörcher ist allerdings zuversichtlich und positiv gestimmt, was die Zukunft anbelangt: »Es wird noch viel passieren und man merkt, dass die Fans Bock haben, etwas zu machen!«

Wer am Ende Recht behält und wie sich Borussia Dortmund und sein Umfeld entwickelt, wird am Ende einzig und allein die Zeit zeigen können. Man muss einem Teil der Fanszene und dem Verein jedoch zugutehalten, dass sie zurzeit wirklich ernsthaftes Interesse und Engagement zeigen, um die Probleme mit Nazis, rechtem Gedankengut und alltäglicher Diskriminierung im Stadion und im Vereinsumfeld in den Griff zu bekommen. Der BVB hat die Probleme erkannt und will sie lösen. Damit ist er vielen anderen deutschen Vereinen mit ähnlichen Problemen einen immensen Schritt voraus.

teilen...Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someonePrint this page

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 Both comments and pings are currently closed.