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„ANTISEMITISMUS IST IM FUSSBALLSTADION EIN AKTUELLES THEMA“

August 13th, 2014 | Posted by Transparent Magazin in Uncategorized

In den vergangenen Wochen gab es vermehrt antisemitische Vorfälle in Deutschland zu beobachten. Wir sprachen mit der Faninitiative »Fussballfans gegen Antisemitismus« über ihr Arbeitsfeld, ihre Einschätzung zur aktuellen Lage und Tipps, wie man Antisemitismus als Fußballfan entgegenwirken kann.

Von der Redaktion

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Ihr seid eine relativ neue Faninitiative, die sich erst im vergangenen Jahr gegründet hat. Könnt ihr uns erzählen, was ausschlaggebend dafür war, »Fussballfans gegen Antisemitismus« ins Leben zu rufen?

Für »Fussballfans gegen Antisemitismus« gab es eigentlich gar keinen konkreten Auslöser. Es bestand eher generelles Interesse an dem Themenkomplex, der im Fußballzusammenhang in der Form noch nie wirklich irgendwo aufgearbeitet wurde. Aus diesen Gedanken heraus wurde im letzten Jahr von Mitgliedern der Bremer Ultràgruppe Caillera die Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Inzwischen ist die Initiative aber relativ eigenständig.

Woraus besteht denn konkret die Arbeit der Initiative?

Am meisten Arbeit steckte sicherlich in der Organisation der Veranstaltungsreihe, die wir auch in diesem Jahr weiterführen wollen. Inhaltlich möchten wir uns dem Thema aus verschiedenen Perspektiven widmen, bestenfalls natürlich im Fußballkontext.
Der meiste Output wiederum findet sich auf der Facebook-Seite, die wir als eine Art Sammelbecken für Infos und Hintergründe pflegen.
Zudem versuchen wir Menschen bei Fragen und Problemen Hilfestellungen zu bieten und auch in anderen Städten die Arbeit gegen Antisemitismus im Fußball, soweit es uns möglich ist, zu unterstützen.
Um die Kosten für die verschiedenen Aktivitäten zu decken, bieten wir auch T-Shirts, Beutel und Aufkleber mit unserem Logo an.


Wie war das Feedback auf euer bisheriges Engagement? Gab es auch negative Reaktionen?

Erfreulicherweise gab es trotz der vielen antisemitischen Ausfälle in Deutschland bisher noch gar keine negativen Reaktionen – weder online noch im echten Leben. Positive dafür umso mehr. Bei Facebook haben wir mittlerweile über 900 Likes, unsere Veranstaltungen waren mit jeweils weit über 100 Personen besser besucht, als wir es je erwartet hätten und auch positive Mails erreichen uns immer wieder.

In den letzten Wochen gab es vermehrt antisemitischen Vorfälle in Deutschland, wie bewertet ihr diese?

Der Auslöser war wohl die neuerliche Eskalation in Gaza und die anschließend oftmals stattfindende einseitige Schuldzuweisung an Israel. Jüdische Menschen und Einrichtungen wurden für die Handlungen der israelischen Regierung verantwortlich gemacht und teilweise übel attackiert. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass judenfeindliche Ressentiments in verschiedenen Teilen der Gesellschaft fest verankert sind. Antisemitische Äußerungen gingen von Muslimen, Neonazis, vermeintlichen Linken und auch ganz normalen deutschen Bürgern aus.
Andererseits muss man jedoch auch positiv hervorheben, dass es auch im Mainstream Kritik am Antisemitismus gab. Viele Massenmedien haben das Thema in den letzten Wochen ausführlich behandelt.


Wirkt sich der aktuell aufflammende Antisemitismus auch auf den Fußball und sein Umfeld aus?

Konkret gab es in letzter Zeit zwei Beispiele:
Dortmunder Neonazis störten ein Freundschaftsspiel von Maccabi Netanya mit Parolen wie »Juden raus aus Palästina« und schwarz-weiß-roten Fahnen.
Bei einem Testspiel von Maccabi Haifa in Österreich gab es einen antisemitisch motivierten Platzsturm.
Antisemitismus ist also auch im Fußballstadion ein aktuelles Thema. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser negative Trend in der kommenden Saison fortsetzt.


Was können Fußballfans denn überhaupt dagegen unternehmen?
 Was würdet ihr Fans raten, die im Stadionumfeld antisemitische Parolen wahrnehmen?

Das kann man so pauschal leider nicht sagen, es kommt immer auf die Situation an.
Bei Parolen wie »Jude« als Beleidigung sollte man natürlich eingreifen, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Leider fehlt bei Polizei und Ordnerpersonal oftmals das Bewusstsein, das vonnöten ist, um sich Antisemitismus entgegenzustellen. Im Endeffekt ist man dann oft selbst gefragt.
Auch das Veröffentlichen von antisemitischen Vorfällen ist immer gut. Man kann sich gerne bei uns melden, wir versuchen dann zu helfen.
Fans können aber auch inhaltliche Aufklärung leisten, wie beispielsweise durch Veranstaltungen oder Initiativen wie die unsrige.
Ebenso finden wir plakative Botschaften als Grundlage für weiteres Handeln nicht verkehrt, daher freut es uns auch, wenn die »Fussballfans gegen Antisemitismus«-Shirts den Weg in möglichst viele Stadien finden.


Was sind eure konkreten Ziele für die Zukunft?

Wir wollen weiterhin das Bewusstsein für Antisemitismus schärfen und Diskriminierung entgegenwirken. Wir werden auch in diesem Jahr wieder eine oder mehrere Veranstaltungen organisieren und die Facebook-Seite als Sammelbecken und Anlaufpunkt pflegen.
Das Ziel bleibt, gemeinsam mit vielen anderen Fußballfans ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen.

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